Weiterhin
Eines Tages, aber es war Nacht, fand der
Schmetterling sich oder war's eine Taube? in einem
Raum (wo sonst?) wieder, ohne zu wissen, was da sei. Doch da
etwas war, fragte es danach. Es fragte sich (wen auch sonst?):
Was ist gewesen? Da war das Gefragte ihm oder ihr schon
entgangen. Es kam keine Antwort. Stimmen gab es oder nur eine.
Aus dem Dunklen, im Innern. Mensch! sprach die Stimme und sagte
noch mehr, später. Ein Mensch also, dem Namen nach. Was soll
daraus werden! Ein Mensch ist, wer weiß was. Um ihn und in sich
empfand sie oder er das Dunkle. Dich, so setzte die Stimme jetzt
ihr Rätsel fort, hab ich verschlungen. Sprach die Nacht, dann
galt die Umkehrung auch, und sie war im Menschen. Der wünschte,
es würde hell, und fragte sich, warum. Das hieß: wieso
verschlungen ins Dunkle, wozu verlangend nach Licht?
Du bist geflohn? Nun ja, ans Licht. Aber bevor
das Dunkle mich aufnahm, wovor? Dunkel erinnere ich: Assur im
Osten, Atlantis im Westen, einen Weg mit der Sonne, erst vor,
dann hinter ihr her, den Einbruch der Nacht. Sie bringt mich
zurück. Jetzt bin ich hier.
Ich, hier und jetzt, sein. Wer kostete die
Wörter? Sie schmeckten nach: ich weiß nicht. Irgendwie da und
dort war wie alles, so auch die Rede von sich, ohne etwas zu
sagen, nur um zu zeigen: dies hier, nicht das da. Gar nichts war
zu sehn. Überallher gab etwas sich eine Stimme, immer dieselbe.
Immer zu anderm, niemals zu sich kommend. Nie auch verklingend.
Tausendfach tönte die Nacht: ich, ich hier, ja jetzt. Ein jedes
bestimmte und hörte sich selbst in einem Konzert, wie Grillen
zirpen an warmen Abenden und verstummen, als wäre das Gehör
jäh abgestürzt.
Er oder sie, es lauschte in die Stille, sich
vergewissernd. Ihren kühlen Quell genoß es, ein Rieseln und
Glitzern, die eigne matte Ruhe, verschwiegen und gegen die Sterne
gehorsam. Denn die summten, drehten sich, hetzten quietschend
ineinander auf ihren Bahnen. Erinnerung wurde egal. Gerede war's
und Reden dies: Hinter Glas, das kein Schrei bräche, biegen
schwarze Zweige sich im Wind und wischen Luft aus Lungen. Atem
fällt in Telefone und gefriert. Zahlen klirren in die Ohren.
Rötlich schimmern Muscheln. Aber die Blumen auf meiner Haut, in
Eis erstarrt, taut keine Glut. Schweige ich, dann krächzt in mir
der Todesvogel. Rost schluckt die Kehle. Nur ein Trauerblick
tritt stumm und ruhig an die Welt. Aber gegen die Haut brandet
Blut und spritzt zurück, ein heulender Fleischwolf. Der nagt die
Finger, Leckerbissen. Ins Gespür der Kuppen sinkt vom Mond, ein
Ball, das Licht herab, und die Nägel zeichnen Male zärtlich in
den Sand.
So singe ich im Takt des Blutes, das pocht, die
Melodie seiner Gischt. So singt, ihr Zweige, im Sturm! Singe,
Schelomo, sing für Schulamith! Singe vom Leib ihr den Schleier,
sing dich in ihren Bauch! Tanze, Schulamith, tanz um Jochanan!
Tanz ihn in deinen Schoß, tanze vom Hals ihm den Kopf! Rollen
sollt ihr wie schwerelos und verwehn im leichten Duft. Fangt uns die Füchse! · Die frechen Füchslein · wühlen im Weinberg · da uns die Reben blühn ...