Warten
 

 
Also verzeih, wenn ich schreibe! Seit vierzehn Tagen weiß ich, immer auf dich habe ich gewartet, und als ich am Baum hing, bist du gekommen. In fünfmal sieben Jahren vorher habe ich gesucht und nicht gewusst, was ich suchte. Ich bin durch den Roggen gerannt. Am bloßen Leib habe ich die Ähren gespürt und war froh wie mit einer Frau. Doch keinem Menschen bin ich begegnet. Nach dir habe ich geschrien; da war kein Echo. Lange und aufmerksam bin ich gegangen. Gelernt habe ich, das Dröhnen meiner Schritte nicht zu hören. Kaum noch hörte ich die Luftzüge und das Pumpen unter meinen Rippen. Störend blieb immer und bleibt dieses Rauschen, durchdringend: die Gegenwart meines Hirns und deine Abwesenheit. Soll alles bald wiederum sein, wie es war? Mit wem könnte ich reden außer dir? Was sollte ich tun als schreiben? Oder wolltest du den, der dich ruft, in deine Ferne einschließen und lebendig begraben? Also quältest du, die nach dir suchen! Zu dir schrie ich, und du bliebst stumm. Oder bin ich ebenso taub wie heiser? In meinem Gebrüll wäre nur dein Gelächter zu hören, und du wärest selber, was mich zerreißt. Dann geschehe dein Mutwille! Ohnedies wirst du meine Zeit weiterspielen: solange du dein Vergnügen findest und bis du deine Lust verlierst an mir.
 

 
Myzel
1999 © NEEFF