Warten
Also verzeih, wenn ich schreibe! Seit vierzehn Tagen weiß
ich, immer auf dich habe ich gewartet, und als ich am Baum hing,
bist du gekommen. In fünfmal sieben Jahren vorher habe ich
gesucht und nicht gewusst, was ich suchte. Ich bin durch den
Roggen gerannt. Am bloßen Leib habe ich die Ähren gespürt und
war froh wie mit einer Frau. Doch keinem Menschen bin ich
begegnet. Nach dir habe ich geschrien; da war kein Echo. Lange
und aufmerksam bin ich gegangen. Gelernt habe ich, das Dröhnen
meiner Schritte nicht zu hören. Kaum noch hörte ich die
Luftzüge und das Pumpen unter meinen Rippen. Störend blieb
immer und bleibt dieses Rauschen, durchdringend: die Gegenwart
meines Hirns und deine Abwesenheit. Soll alles bald wiederum
sein, wie es war? Mit wem könnte ich reden außer dir? Was
sollte ich tun als schreiben? Oder wolltest du den, der dich
ruft, in deine Ferne einschließen und lebendig begraben? Also
quältest du, die nach dir suchen! Zu dir schrie ich, und du
bliebst stumm. Oder bin ich ebenso taub wie heiser? In meinem
Gebrüll wäre nur dein Gelächter zu hören, und du wärest
selber, was mich zerreißt. Dann geschehe dein Mutwille! Ohnedies
wirst du meine Zeit weiterspielen: solange du dein Vergnügen
findest und bis du deine Lust verlierst an mir.