Echo
 

 
Echo erzählt, von ihr verfolgt, habe Narziss sich in das eigne Bild verliebt. Fest steht, er schaute in den Spiegel, und er blieb dabei. Verliebt? Entsetzt! Im Wasser schwamm er selbst, ein Ding wie alle rings, und doch saß er am Ufer. Erkenntnis war's des Scheins im Gegenüber und des innern Wesens, unsichtbar. Wie er sich sah, schien er ein Ding, und also war's mit allem. Ein Abgrund tat sich auf zwischen den Bildern draußen und dem wahren Sein. Narziss nahm alles wie sich selber wahr: für sich. Ins Jenseits aller Dinge sank Narziss. Ihn faßte Grauen. Er ward stumm. Da fand ihn Echo.
 
Nun also, sagte er, ich lebe. Denn ungewiß schien viel im Leben, dieses nicht, und einer, der zu leben meinte, war doch, wenn und weil er etwas glaubte, immerhin am Leben. Was er laut sagte, war ein Satz, der gar nicht irren kann und den kein Echo – wohl hört sie den Laut der Wörter – je vernimmt. Ihr fehlen Sinne für den Sinn, der fehlte. So sucht sie nichts, und gar nichts wird ihr fehlen. Gesunden heißt: wie alle selber Echo werden.
 

 
Myzel
1999 © NEEFF